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Operative und strategische Betriebswirtschaft

Veröffentlicht in Allgemein, Allgemeine BWL, Wirtschaft von Redakteur am 16. Mrz. 2011

In der Betriebswirtschaft wird die Handlungsfähigkeit nach zeitlichem Rahmen und damit nach Bedeutung der Aufgaben unterschieden.

Die Betriebswirtschaft kennt für ihre Bereiche operative und strategische Handlungsspielräume.

Kurz-/Mittelfristige Betrachtung Mittel-/Langfristige Betrachtung
Bereich Abteilung Beispiel-Aufgaben Abteilung Beispiel-Aufgaben
Einkauf Operativer Einkauf Bestellungen, Lieferkontrolle Strategischer Einkauf Lieferantenmanagement, Schaffung Kostentransparenz, Findung von Kostensenkungspotenzialen
Controlling Operatives Controlling Kennzahlen, Budgetierung, Cash Flow, Rentabilitätsrechnung Strategisches Controlling Marktanalyse, Unternehmensanalyse, Blickpunkt: Shareholder Value
Logistik Operative Logistik Lieferwegverfolgung Strategische Logistik Lieferweg-Optimierung, Liefermittel-Optimierung
Verkauf Vertrieb Kundenansprache, Verkäufe abwickeln, Kundensupport Marketing Langfristige Umsatzentwicklung, Corporate Identity, Management von Werbemitteln/Werbeträger

Die Unterscheidung erfolgt bei Großunternehmen in eigenen Abteilungen. Konzerne haben in der Regel noch eine viel feinere Unterscheidung, beispielsweise wird die operative Logistik nochmals unterschieden und in (Unter-)Abteilungen gekapselt, beispielsweise in Lieferkontrolle, Qualitätssicherung im Eingang/Ausgang und der Lagerbestandskontrolle.

Mittelständische Unternehmen sind hingegen häufig gröber gegliedert, der Verkauf als eine Abteilung befasst sich sowohl mit den täglichen Verkäufen als auch mit Marketingstrategien.

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Operative Betriebswirtschaft

Ein Unternehmen ist täglich mit plötzlich auftretenden Problemen konfrontiert, welche, in operative Aufgaben gepackt, täglich erkannt und gelöst werden müssen. Beispielsweise müssen im Controlling Budgets festgelegt und Kennzahlen aktualisiert werden, im Einkauf müssen Bestellungen und Bestellprognosen (Forecast) an die Lieferanten geschickt werden und es müssen Verkäufe und sonstige Verträge im Vertrieb abgewickelt werden. Auch das externe Rechnungswesen ist operativ geprägt.

Dieser operative Handlungsspielraum reicht bis in den mittelfristigen Planungszeitbereich bis 2 Jahre, die meisten dieser Tätigkeiten betrachten jedoch nicht mehr als drei Monate.

Herausforderungen in der operativen Betriebswirtschaft:  Kurzfristige Ziele – welche größtenteils aus plötzlichen Problemen resultieren – müssen kurzfristig gelöst werden. Hier ist oft Flexibilität gefordert.

Strategische Betriebswirtschaft

Die strategische Betriebswirtschaft dient der langfristigen Existenzsicherung des Unternehmens. Strategisches Controlling befasst sich beispielsweise mit dem Umfeld des Unternehmens, den Märkten und Wettbewerbern. Es werden Chancen und Risiken im Umfeld sowie Stärken und Schwächen des Unternehmens betrachtet und gegeneinander abgewogen und daraus Strategien abgeleitet.
Strategische Einkäufer befassen sich mit Lieferantenmanagement (Suche nach neuen Lieferanten, Lieferantenbewertung, Verhandlung von Rahmenverträgen und der Betrachtung einzukaufender Güter und eingesetzter Logistik hinsichtlich Kostenreduzierung).
Der Verkauf ist grundlegend gespalten. Zwar befasst sich auch der Vertrieb mit langfristigen Prognosen, die strategische Komponente des Vertriebs liegt jedoch vor allem im Marketing.

Herausforderungen in der strategischen Betriebswirtschaft: Langfristige Planung ist notwendig, jedoch schwierig, da Informationen für die Zukunft nicht alle zuverlässig und vollständig vorliegen. Die strategische Planung basiert daher zu großen Teilen auf Schätzungen, welche so gut wie möglich sein müssen.

Gegenüberstellung und Abgrenzung

Zeitlich grenzt sich die operative Betriebswirtschaft recht gut, jedoch mit Überschneidungsbereich in der mittelfristigen Planung, von der strategischen Betriebswirtschaft ab.

Operative Aufgaben sind nicht mit strategischen Aufgaben gleichgestellt, denn strategische Aufgaben geben die Richtung vor, betrachten die Chancen und Risiken, Stärken und Schwächen, leiten daraus neue Regeln ab. Diese Regeln betreffen die operativen Bereiche direkt, wenn auch oftmals mit Verzögerung.

Der operative Bereich ist geprägt von ausführenden Tätigkeiten, der strategische Bereich hat eher analytischen, aber auch politischen Charakter.

Herausforderungen bei der Prioritätensetzung

Unternehmen müssen den Aufgaben bei gegebenen Ressourcen (dazu zählen auch Mitarbeiter!) angemessene Prioritäten geben.

Wenn 10 Mitarbeiter dem Einkauf zur Verfügung stehen, wie viele Einkäufer sollen operative Aufgaben übernehmen und wie viele sollen sich strategischen Aufgaben widmen?

Hier gibt es kein Patentrezept. Ein typischer Fehler ist jedoch, den strategischen Aufgaben zu wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auch hat es sich als sehr schlechte Wahl herausgestellt, wenn dieselben Personen sich sowohl operativen als auch strategischen Aufgaben zuwenden müssen.

Operative Aufgaben sind für das tägliche Überleben des Unternehmens wichtig. Ohne Buchhaltung, täglichen Bestellungen, der Lieferannahme, dem Verkauf sowie dem funktionierenden Lieferausgang kann kein Unternehmen überleben, nicht mal kurzfristig.

Strategische Aufgaben müssen aber auch ernst genommen werden, damit sich das Unternehmen weiter entwickelt, eingeschlagene Richtungen im Kontext der Branche hinterfragt werden und sich das Unternehmen nicht an einer Richtung „klammert“. Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit und somit die Existenz langfristig gewährleistet werden.

Ohne operative Betriebswirtschaft überleben wir dieses Jahr nicht mehr, ohne strategische Betriebswirtschaft die nächsten 5 Jahre nicht.

 

 

 


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