Funktion und Nutzen des Turtle-Models (8W-Modell)

Erfolgreiche Unternehmen versuchen Probleme zu identifizieren und zu lösen, solange sie noch klein sind und beschäftigen sich demzufolge nicht nur mit Symptomen und Kennzahlen, sondern auch mit ihnen zugrunde liegenden Ursache-Wirkungsketten.
Die Beschreibung von Prozessen und deren Darstellung in Prozessmodellen erfolgt bei Unternehmen häufig aufgrund von Kundenanforderungen oder externen Regelwerken, um die Schlüssigkeit der Unternehmensorganisation und Reproduzierbarkeit von Abläufen nach außen hin glaubhaft darzustellen.
Wesentlicher Treiber ist dabei der Nachweis der Qualitätsfähigkeit innerhalb einer Kunden-Lieferantenbeziehung oder der Nachweis der Erfüllung obligatorischer organisatorischer Sorgfaltspflichten.
Intern ist ein Führen mit Kennzahlen oder das Gestalten von Veränderungen im Unternehmen nur sehr eingeschränkt möglich, wenn es für wesentliche Geschäftsprozesse mehr informelle Regelungen als nachprüfbar dokumentierte Standards gibt.
Zur Planung, Beschreibung und Analyse von Prozessen haben sich in der Praxis eine Reihe von Vorgehensmöglichkeiten entwickelt, die je nach Zielstellung ausgewählte kritische Teilprozesse betrachten oder zusammenhängende Prozessketten, die z. B. Grundlage für eine Prozess-Simulation oder Prozesskostenrechnung sein können.
Notwendige Projekterfahrung im Geschäftsprozessmanagement oder die Komplexität verfügbarer IT Lösungen setzen in der Praxis den meisten Unternehmen jedoch Grenzen.
Für die einfache Darstellung und Analyse von Prozessen hat sich insbesondere im Bereich Automotive überwiegend das Turtle-Model (oder auch 8W-Modell) etabliert. Der Name Turtle rührt von der oft skizzierten Form einer Schildkröte her, wo Maul und Schwanz jeweils (Prozess-) Input und Output sowie die Gliedmaßen bestimmte Einflussfaktoren symbolisieren.
Die in klassischen Organigrammen und Prozessbeschreibungen zu findende Frage nach dem wer macht was wird beim Turtle-Model um das warum, wann, womit, wie, wohin und wie gut für jeden einzelnen Prozess-Schritt erweitert. Die Notwendigkeit einzelner Prozess-Schritte kann damit genau so kritisch betrachtet werden wie Unsicherheiten oder Unklarheiten bei der Regelung erfolgskritischer Details.

8W-Modell (Turtle-Modell)

Es eignet sich als hilfreiches Tool für Analyse, Überprüfung und Design von Standards, Arbeitsabläufen, Fertigungs- und Serviceprozessen. Zur Absicherung eines robusten Produktionsprozesses und der Qualität entlang einer Lieferantenkette hat der Verband der Automobilindustrie VDA Qualitätsstandards und Checklisten entwickelt (z. B. VDA Band 6.3), die sich im Wesentlichen an diesem Modell orientieren.
Das Turtle-Model beinhaltet die wichtigsten Grundsätze des Prozessgedankens, der in der ISO/TS 16949 mit der Anwendung eines Systems von Prozessen, gepaart mit dem Erkennen und den Wechselwirkungen sowie deren Management als prozessorientierter Ansatz bezeichnet werden.
In der Praxis bewährt sich die Einfachheit und Verständlichkeit des Modells auch bei Mitarbeitern, die der Vermittlung komplexer Sachverhalte wie Managementsysteme oder Geschäftsprozesse eher distanziert gegenüberstehen.
Auf dieser Grundlage können wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich erkennbarer Risiken und Potenziale erschlossen werden, die auf den Erfahrungen und Überlegungen beteiligter Mitarbeiter beruhen und zwar unabhängig davon, ob die Bestandteile des Turtle-Models auf die gesamte Organisation oder nur auf einen Teilprozess projiziert wird.
Damit erschöpft sich das Einsatzgebiet nicht nur auf die Planung von Prozessen und die Durchführung von Audits. Es empfiehlt sich auch zur Nutzung bei der Steigerung des Qualitätsbewusstseins von Mitarbeitern oder als systematischer Leitfaden bei individuellen Personalgesprächen.

Über den Autor

Christian Zott arbeitet seit 1991 auf dem Gebiet des Qualitäts- und Prozessmanagements in den Funktionen Qualitätsmanager, Auditor, Projektleiter, Trainer und Coach. Er gilt insbesondere in der Automobilbranche als ein Experte auf seinem Gebiet und wird als Freelancer auch für internationale Projekte, beispielsweise in Asien, gebucht. Bei Fragen erhalten Sie weitere Informationen unter www.zott-managementberatung.de oder kontaktieren Sie ihn über sein Profil bei Xing.com.

Benjamin Aunkofer ist Wirtschaftsingenieur und -informatiker. Er arbeitet in den interdisziplinären Themengebieten als Dozent an der HTW Berlin und engagiert sich als Unternehmer insbesondere für Big Data und Industrie 4.0.

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