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Die 7+ Dimensionen der Logistik

Veröffentlicht in Logistik von Redakteur am 17. Dez. 2015

Die Logistik ist eine Kerndisziplin im Wirtschaftsingenieurwesen, doch selbst Wirtschaftsingenieure tun sich mit der Definition der Logistik sehr schwer, obwohl unser Alltag ohne Logistik heute nicht mehr funktionieren würde.

„Zur Logistik gehören alle Tätigkeiten, durch die die raumzeitliche Gütertransformation und die damit zusammenhängenden Transformationen hinsichtlich der Gütermengen, -sorten, der Güterhandhabungseigenschaften sowie der logistischen Determiniertheit der Güter geplant, gesteuert, realisiert und kontrolliert werden.” (Logistiksysteme, Seite 12, Pfohl, Auflage des Jahres 2000)

Die deutsche Bundesvereinigung für Logistik (BVL) definiert die Logistik als „ein System, das zunächst im Unternehmen, aber auch unternehmensübergreifend mit Lieferanten und Kunden, eine optimale Versorgung mit Materialien, Teilen und Modulen für die Produktion – und auf der anderen Seite natürlich der Märkte bedeutet“.

Diese Definitionen stellen neben Lieferanten auch Kunden in den Mittelpunkt und sind daher sind Auslegungen für und von Wirtschaftsunternehmen. Technisch gesehen spielt die Logistik jedoch auch für nahezu alle anderen Unternehmungen der Menschheit eine Rolle, beispielsweise in der Raumfahrt oder im Militär. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn einfachere Definitionen herangezogen werden, die sich im Wesentlichen auf die raum-zeitliche Transformation von physischen Gütern als Fokus der Logistik beschränken. Dies grenzt die reine Informationsübermittlung (Telekommunikation) von der Logistik ab.

Zur Logistik im engeren Sinne zählen somit der Transport von Gütern zur Überbrückung von räumlichen Distanzen in einer vorgegebenen Zeit sowie die Durchführung damit verbundener Aufgaben, vor, während und nach dem Transport, wie etwa das Ein- und Auslagern, Verpacken, Kommissionieren und Inventarisieren der Güter.

Diese, auf das Warenhandling reduzierte Betrachtung der Logistik wird in der Regel um weitere Aufgabenbereiche ergänzt, beispielsweise das Ermitteln von Material- bzw. Güterbedarfen, Transportbedarfen, die Erstellung und Freigabe von Beschaffungs-, Fertigungs- und Versandaufträgen.

Die hohe Vielfalt an Aufgaben, die in die Logistik fallen können, sorgt auch dafür, dass Definitionen der Logistik eine gewisse Unschärfe haben und von jeder Branche in Ausprägung und Wortlaut für sich selbst leicht abgewandelt definiert wird, da beispielsweise es in der Lebensmittelindustrie ganz andere Logistikketten gibt, als bei Energieversorgern, Maschinenbauern oder auch in der Finanzindustrie, in der Logistik nur eine untergeordnete (doch keinesfalls eine inexistente!) Rolle spielt.

Eine gute Definition ist auf viele, möglichst alle Branchen anwendbar, und eine solche bietet die Definition der Logistik über die sieben Dimensionen (auch: die 7 Rs der Logistik). Nach dieser ist Logistik die Bereitstellung…

  1. des richtigen Produktes
  2. in der richtigen Menge
  3. in der richtigen Qualität
  4. am richtigen Ort
  5. zur richtigen Zeit
  6. zu den richtigen Kosten
  7. und für den richtigen Kunden

Der Erfolg jedes Logistikprozesses entscheidet sich über diese sieben Dimensionen, und das in für jede Branche.

Die Logistik steht im Zeichen der Digitalisierung dieser Jahre vor einer Dynamisierung weg von der „Zettelwirtschaft“ hin zur digitalen Vernetzung, die traditionell noch unbekannte Möglichkeiten der Datenerhebung und –auswertung, auch in nahezu Echtzeit, ermöglicht. Daher wird im Kontext der IT-gestützten Logistik auch von den 8Rs gesprochen, da als achter Punkt noch „Mit den richtigen Informationen“ hinzukommt. Die Übermittlung von Daten bzw. Informationen, also die Telekommunikation, ist zwar für sich betrachtet eine eigene Disziplin, ist jedoch aus keiner Logistikkette mehr wegzudenken.


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